Kurzgeschichten für und gegen graue Herbsttage
 



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"Ich denke nicht."

"Ich denke nicht.", sagte sie. Verwirrt schaute er auf. Er konnte sich nicht erinnern, ihr eine Frage gestellt zu haben, sonst hätte ihre Antwort vielleicht einen Sinn ergeben. Die letzten zehn Minuten hatten sie schweigend nebeneinander gesessen, er lesend, sie zum Fernseher schauend. "Wie meinst du das?", fragte er also und legte das Buch zur Seite. Sie wandte ihren Blick nicht vom Fernseher. "So, wie ich es gesagt habe: Ich denke nicht. Nicht mehr." Schließlich drehte sie sich zu ihm und lächelte ein bisschen. Sie wirkte zufrieden und mit sich im Reinen. Er war immer noch irritiert. "Grundsätzlich nicht?" - "Nein, ich meine im weiteren Sinne. Wenn ich bemerke, dass ich zu viel denke, dann lasse ich es einfach. Es bringt nichts, alles immer und immer wieder zu durchdenken, ohne eine Lösung zu finden." Sie ließ sich nun wieder vom Fernsehprogramm berieseln. Er war unzufriedener denn je. 'Aufhören, zu denken, das funktioniert doch nicht', grummelte er vor sich hin. Es ärgerte ihn, wie leicht sie es sich machte. "Du läufst also lieber vor Problemen davon, anstatt dich ihnen zu stellen?" - "Ich laufe doch nicht davon. Ich denke einfach nicht weiter darüber nach. Das ist Zeitverschwendung, wenn ich es ohnehin nicht ändern kann." Ungläubig sah er sie an, doch sie blickte stur zum Fernseher. Sein Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Er dachte gerne. Ihm war schon vor langer Zeit bewusst geworden, dass man einige Dinge gründlich durchdenken musste. Und manchmal nicht nur einmal, nein, zweimal, dreimal, so oft, bis man sich entweder wirklich sicher sein konnte, dass man nichts übersehen hatte und es dabei belassen konnte, oder schließlich etwas fand, dass die ganze Sache in ein völlig anderes Licht rückte. Umso wütender machte ihn deshalb die Tatsache, dass sie sich so bereitwillig und selig ihrer ganz eigenen Unmündigkeit hingab. Es war ihm mehr als schleierhaft, wie man solch ein Leben führen konnte. Gewiss, je weniger man dachte, desto weniger musste man sich sorgen. In einigen Bereichen mochte das angemessen sein, doch es war für ihn unmöglich, sich vorzustellen, sein gesamtes Leben so auszurichten. Die Bequemlichkeit war ihm zuwider. Was für eine Welt wäre dies, wenn plötzlich niemand mehr nachdenken, durchdenken, weiterdenken würde? Der Tellerrand durfte nicht die Gedanken eingrenzen, man musste darüber hinausschauen. Er suchte nach den passenden Worten, ihr all dies zu erklären. Er wollte sie überzeugen, dass Denken wichtig ist, sowohl für sich selbst, als auch für die Gesellschaft. Er gestikulierte wild, versuchte alles bildlich zu veranschaulichen, um es noch verständlicher zu machen. Sie unterbrach ihn nicht, sondern schaute ihn unverwandt mit ihren großen Augen an, und je mehr er redete, umso mehr erkannte er die Leere in diesen Augen. Kein Tiefgang. Schließlich verstummte er. Als sie nur mit den Schultern zuckte und wieder den Fernseher ins Visier nahm, war für ihn endgültig klar, dass sie es nicht verstand, vielleicht auch nicht verstehen wollte. Zwecklos. Seine Worte stießen bei ihr auf eine Mauer, die er unmöglich durchdringen konnte. Er erhob sich, zog seine Jacke über und ließ sie allein in der Wohnung zurück. Seine Gedanken rasten, während er sich auf den Weg zur U-Bahn machte. Und er wusste, dass er niemals sagen könnte "Ich denke nicht", so verlockend das auch sein mochte.
19.10.14 23:27


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Das Erste, was mir an ihm auffiel, war sein Dreitagebart. Während ich darüber sinnierte, wie man denn nun "Frappuccino" aussprechen möge - Frääppuccino oder doch einfach nur Frappuccino? -, um mir die Peinlichkeit zu ersparen, das Getränk mit einem schlechten amerikanischen Akzent beim falschen Namen zu nennen, stach mir diese makellose, perfekt gewachsene Gesichtsbehaarung ins Auge und der Frappuccino war vorerst vergessen. Meine Blick wanderte vom Bart weiter nach oben, passierte eine markante Nase und traf schließlich auf dunkle Augen. Mein Gehirn setzte ein zweites Mal aus. Die dunklen Augen waren umrahmt von noch dunkleren, langen Wimpern. Nicht so lang, dass es zu feminin ausgesehen hätte, aber dennoch ungewöhnlich lang und perfekt geschwungen, sodass seine Augen noch besser zur Geltung kamen. Ich beobachtete, wie der junge Mann geschickt ein Getränk zubereitete. Er hatte schöne Hände. Und schon traten wir in meinem Kopf vor den Traualtar, gaben uns das Ja-Wort und liebten uns heiß und innig vor versammelter Mannschaft. Hach. Unsere Kinder würden so schön werden. Plötzlich riss mich eine Fistelstimme aus meinem Tagtraum und ich drehte mich mit einem finsteren Blick einmal um die eigene Achse, um die Quelle dieses nervtötenden Geräuschs ausfindig zu machen. Mit einem Räuspern machte der von mir umschwärmte Barista hinter der Theke auf sich aufmerksam und ich bemerkte, dass ich an der Reihe war. Leicht irritiert schaute er mich an und da dämmerte mir allmählich, dass diese grässliche Stimme zu ihm gehören musste. Meine Befürchtung wurde bestätigt, als der Barista die Frage nach meiner Bestellung wiederholte, und das auch noch in einem so unfreundlichen Ton, dass ich ihm am liebsten den "Frääppuccino" - mit einem selbstgefälligen Blick verbesserte er meine Aussprache - in sein makelloses Gesicht gedonnert hätte.  "Er hätte wahrscheinlich sowieso irgendwann die Kaffeemaschine mit seinen Experimenten in Brand gesteckt und unser schönes Einfamilienhaus abgefackelt", dachte ich noch, als ich das Café verließ.
19.10.14 23:27


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